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Das Blaue Haus in Breisach am Rhein

Blaues Haus - © Stadt Breisach am Rhein

© Stadt Breisach am Rhein

 

"Wir brauchen Orte der konkreten Erinnerung"

Diesen Satz sprach der Landtagspräsident von Baden-Württemberg, Peter Straub, anlässlich der Gedenkfeier am 27. Januar 2000 in Grafeneck. Genau das ist es, weshalb der Förderverein alles daransetzte das Haus zu erwerben, weshalb er es für Breisach erhalten und nutzen will. Nur die unmittelbare Authentizität eines Ortes - so lehrt die Erfahrung mit Gedenkstätten - lässt Geschichte anschaulich werden, lässt sich aus ihr lernen.

 

Der Ort

Das Blaue Haus ist das älteste Haus in Breisach, das unzerstört blieb (1793 und 1945)

  • eine Mauer (im Westen) war im 14. Jahrhundert Teil der Stadtmauer
  • das Haus wurde im 17. Jahrhundert im Stadtgraben an diese Stadtmauer gebaut.
  • von ca. 1690 bis 1829 (140 Jahre lang) Gastwirtschaft, von Christen betrieben in der „Judengasse“
  • 1829 von der Jüdischen Gemeinde gekauft als Schulhaus.
  • ungefähr 40 Jahre Schulhaus bis zur Gleichstellung der Juden (1862)
 

Das Blaue Haus

1691Bau des Blauen Hauses
- 1829Gasthaus "St. Peter"
1829Kauf durch die israelitische Gemeinde Breisachs
1829 - 1876Israelitische Schule, zeitweise jüdisches Armenspital
1893 - 1898Unterbringung von Teilen der in Breisach stationierten Garnison
- 1940

Israelitisches Gemeindehaus und Kantorswohnung
Darin nach der Zerstörung der Synagoge von 1838 - 1940
ein Gebetssaal der jüdischen Gemeinde

1941"Verkauf" an die Gugel-Werke Freiburg
Einrichtung einer Werkstätte für Militärprodukte
1953Rückgabe des Hauses an den Oberrat der Israeliten Badens
1955Verkauf an private Hand
2000Kauf durch den Förderverein Ehemaliges Jüdisches
Gemeindehaus Breisach e.V.
2002Beginn der Renovierung durch die Firma Domiziel
2003Vorläufiger Abschluss der Renovierung und offizielle Einweihung

 

 

Flyer über das Blaue Haus

 

Die Geschichte des Projektes "Blaues Haus"

Die meisten Menschen in Deutschland nach Kriegsende 1945 wollten nichts gesehen und gewusst haben.

In Breisach stand seit 1959 ein Gedenkstein am Platz, wo 1938 die Synagoge, das Gotteshaus der Juden, zerstört worden war. Die Aufstellung dieses Steins musste von Juden, die fliehen konnten, erkämpft werden, besonders setzte sich Helene Weil geb. Kahn dafür ein.

1988 erarbeiteten Schüler des Gymnasiums eine Ausstellung und ein Buch, das die Geschichte der Juden von Breisach darstellt und die Namen der jüdischen Familien nennt.

Ab 1994 wurde gefordert, die Geschichte der Juden solle besser „sichtbar“ werden. Ein Antrag an den Gemeinderat formulierte die Rückbenennung der Rheintorstraße in Judengasse.

1998 wurde der „Synagogenplatz“ neu benannt und mit einem Mahnmal gestaltet, Überlebende (survivors) wurden eingeladen und sprachen öffentlich, der Sohn des letzten Kantors Ralph Eisemann und Fred Kort, ein Überlebender des Vernichtungslagers Treblinka.

Im Museum für Stadtgeschichte stellte Hans David Blum sein Buch „Juden in Breisach“ vor.

1999 gründete sich der Förderverein mit dem Ziel, das Blaue Haus zu kaufen, zu renovieren und zu nutzen als Ort der Begegnung, der Dokumentation, des Gedenkens und des Lernens. Der Förderverein bekam für die Finanzierung des Kaufs und der Renovierung Unterstützung der Denkmalpflege, des Landkreises und der Stadt Breisach am Rhein, seiner Mitglieder, vieler Firmen (in Breisacher vor allem der Firma Cemafer-GEISMAR), Einzelpersonen und Institutionen, sowie von Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, die 7 mal junge Menschen, vor allem aus Osteuropa, zu Sommerlagern nach Breisach und Mackenheim schickten.

Die Namen der 250 Juden, die 1933 zur Jüdischen Gemeinde gehörten, sind an die Wand des Eingangs geschrieben. Ihre Geschichten werden erforscht.

Seit 2000 sind jüdische Familien aus aller Welt eingeladen, Informationen über ihre Geschichte zurück nach Breisach, in die frühere Heimat, zu bringen. Manche bringen ihre Kinder und Enkel mit, damit sie lernen, woher die Familie kommt.

2014 wurden Flüchtlinge auch in Breisach einquartiert. Seit Mai 2015 kommen am Freitagnachmittag Flüchtlinge ins Blaue Haus, die gemeinsam ein Essen zubereiten, spielen, sprechen oder lernen, ihre Fahrräder zu reparieren. Es gibt immer einen „Chefkoch“, der ein Gericht seiner Heimat vorschlägt und zeigt, wie es zubereitet wird. Bald ist das 100. Mal „Kochworkshop“!

 

Kontakt

Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus e.V.
 
Blaues Haus
Rheintorstr. 3 (ehemalige Judengasse)
79206 Breisach am Rhein
Tel. 0049 - (0)7667 - 91 13 74
(in der Regel nur mittwochs 14 - 17 Uhr)
Dr. Gabriele Valeska Wilczek, Vorsitzende
Tel. 0049 - (0)7667 - 8 08 34
Fax 0049 - (0)7667 - 91 29 51
E-Mail: info@blaueshausbreisach.de

Informationen zu Öffnungszeiten und/oder Veranstaltungen erteilen wir Ihnen gerne telefonisch oder unter

http://www.blaueshausbreisach.de

 

 

 

Jüdische Geschichte Breisachs

Im 14. Jahrhundert lebten Juden auf dem Münsterberg als wohlhabende Kaufleute (Tafel in der Nähe des Radbrunnens). Sie wurden 1349 ermordet unter falschen Vorwürfen. So war es überall in Europa, als die Seuche Pest tobte.

Eine zweite jüdische Gemeinde lebte ungefähr 1375 bis 1425 auf dem Münsterberg. Sie wurde ausgewiesen. (ausführlich: Günter Boll: Die erste jüdische Gemeinde …)

Erst 1640 durften sich wieder Juden in Breisach niederlassen; sie standen im Sold der französischen Armee als Vieh- und Getreidehändler. Von 1640 bis 1670 war Breisach von Frankreich besetzt. Über 100 Jahre lang bis 1755 wurden die Verstorbenen auf dem Verbandsfriedhof in Mackenheim in Frankreich (Elsass) bestattet. (vgl. Günter Boll: Ein Kind des dreißigjährigen Krieges. Die jüdische Gemeinde von Breisach in: Blaues Heft 1, vgl. auch Blaues Heft 2 über Günter Boll)

Eine bedeutende jüdische Gemeinde lebte in diesem Stadtviertel, der Judengasse und den angrenzenden Gassen (1850 17 % der Bevölkerung). Nach der „Emanzipation“, der rechtlichen Gleichstellung, zogen viele jüdische Familien in größere Städte, deshalb sank die Zahl der jüdischen Bürger auf 250 Personen im Jahr 1933. Die Gemeinde hatte eine Synagoge, ein rituelles Frauenbad, zwei Friedhöfe (Synagogenplatz und Isenberg) und das Gemeindehaus, das heutige Blaue Haus.

Nach dem Tod von Bezirksrabbiner Moses Reiss (s. Tafel Rheintorstr. – Pizzahaus) wurde das Bezirksrabbinat nach Freiburg verlegt. Danach hatte die Leitung der Gemeinde hatte ein Vorsänger oder Kantor inne, Kantor Paul Weinberg, später Kantor Michael Eisemann ab 1924.

 

Häuser und Wohnungen jüdischer Familien vor 1933

 

Verfolgung während der Herrschaft der Nationalsozialisten (1933 bis 1945) unter Führung von Adolf Hitler

Nach Jahrhunderten von Diskriminierung als Minderheit erreichten die Juden in Baden 1862 die rechtliche Gleichstellung. Seither entwickelte sich eine „Antisemitische Bewegung“, die die Gleichstellung wieder abschaffen wollte.

Für den verlorenen 1. Weltkrieg (1914 bis 1918) machte Adolf Hitler die Juden verantwortlich, auch für die Wirtschaftskrise von 1929. Damals gab es Millionen von Arbeitslosen und große Not.

Adolf Hitler entwickelte und „predigte“ eine Rassetheorie, nach der Juden minderwertig sind und von den „Deutschen“ getrennt, abgesondert werden müssen. Schließlich forderten er und seine Partei, jetzt mit unbegrenzter Macht ausgestattet, dass alle Juden Europas verschwinden müssen.

Nach Beginn des Angriffskrieges (1.9.1939 bis 8.Mai 1945) gegen Polen und die Sowjetunion (ab Juni 1941) organisierten seine Behörden den Massenmord an Juden von ganz Europa; in vielen Ländern unter Mithilfe und Kollaboration der Bevölkerung der besetzten Gebiete.

Von 1933 bis 1940 befahlen und organisierten die Nationalsozialisten in Baden die schrittweise Entrechtung, Ausgrenzung und Enteignung.

Die Deportation der Juden am 22. 10. 1940 nach Südfrankreich in das Internierungslager Gurs war eine der ersten aus Reichsdeutschland, von den fanatischen Gauleitern Wagner und Bürckel geheim vorbereitet. Vorbedingung war die Annexion des Elsaß und Lothringens, wo mit der Ausweisung der jüdischen Bevölkerung bereits kurz nach der Unterwerfung Frankreichs begonnen worden war.

Die von Wagner und Bürckel geleiteten „Gaue“ sollten im Rahmen der Germanisierungspolitik ethnisch gesäubert und „judenrein“ werden.

Eine Jüdin und ihre Kinder – Selma Ziehler geb. Bergheimer – wurden in Breisach von der Deportation ausgenommen.

Als die Nationalsozialisten Anfang 1942 die Ermordung der europäischen Juden organisierten, wurden die Breisacher Juden, die als Häftlinge in den Internierungslagern Gurs, Les Milles und anderen gefangen waren, unter Mitwirken der Franzosen vor allem ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen deportiert. Dort wurden alle Häftlinge in Gaskammern ermordet; es sind nach unseren Recherchen mehr als 50 Breisacher Juden, die in Auschwitz ermordet wurden, darunter die knapp 3 Jahre alte Suzanne Carola Hochherr, Enkelin des letzten Gemeindevorstehers Hermann Bähr und seiner Frau Fanny.

 
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